Auf dem Karussel

© Pelin Hall, Swing (aus der Serie 100 Days of Drawings)

Auf dem Karussell
Şifa Girinci, Rezzan Gümgüm, Inga Harutyunyan, Eunsun Ko, Friedrich Kuhn, Lilli Kuschel, Sophia Muriel, Sharon Paz, Natascha Ungeheuer, Sümer Sayın

kuratiert von Sigrun Drapatz und Şehnaz Layıkel Prange
Eröffnung: 9. Oktober 2026, 19:00 Uhr
Ausstellung: 10.10.–14.11.2026
Finissage: 14.11.2026

English:

Auf dem Karussell (On the Carousel)
Şifa Girinci, Rezzan Gümgüm, Inga Harutyunyan, Eunsun Ko, Friedrich Kuhn, Lilli Kuschel, Sophia Muriel, Sharon Paz, Natascha Ungeheuer, Sümer Sayın

curated by Sigrun Drapatz und Şehnaz Layıkel Prange
Opening: 9th of October, 7 pm

Exhibition: 10th of October – 14th of November 2026
Closing Event: 14th of November 2026

(English version below)

Auf dem Karussell 

Kindheit
Fragmente, Bilder, Erinnerungen,
schemenhaft, im Nebel,
ein Geschmack, ein Geruch, ein Gefühl, ein Traum.
Erzählungen, Fotografien, Überlagerungen.
Aneignung von Bildern.
Manipulieren der Wahrheit, Überschreiben des Erlebten, Verschwimmen der Konturen.
Es dreht sich das Bild, es taumelt. 

Rückblick, Taumel, Schwindel – Die Ausstellung beschäftigt sich mit dem, was Erinnerungen in uns auslösen. Ob als fernes Bild, als Erzählung oder als emotionaler Zustand – wie prägt der Blick zurück unsere Gegenwart und Zukunft? Ohne die Turbulenzen der Gegenwart auszublenden, thematisiert die Ausstellung die Wirkmacht der Vergangenheit: wie sie unser jeweiliges Sein formt, verwischt und manchmal sogar auslöscht. Sie thematisiert auch das Narrativ, die Geschichte, die wir von uns erzählen, unsere Erinnerungen formt, überschreibt, relativiert, verändert. Die für diese Ausstellung entstandenen künstlerischen Arbeiten versuchen sich diesem schwindelnden Thema zu stellen.

Die Ausstellung findet sowohl im Innen- als auch im Außenraum statt. Im Innenraum sind Künstlerinnen eingeladen, die in Ländern außerhalb Deutschlands aufgewachsen sind. Im Außenraum werden Künstler*innen gezeigt, die in Kreuzberg aufgewachsen oder bereits in jungen Jahren dorthin gezogen sind. Ihre Arbeiten werden auf Bildschirmen in den Schaufenstern rund um BLOCK 57 gezeigt, der Wohnblock zu dem SCOTTY gehört. Heute leben und arbeiten alle beteiligten Künstler*innen in Berlin.
Die Ausstellungsorte neben SCOTTY sind: Die Stiege, Bioladen Brandenburger Landwaren Oranienstr. 47A | Copy Tiger Oranienstr. 44 | Boxen Gross Oranienplatz 5

„…Ein Unkraut, das sich durch Beton schiebt, eine Wurzel, die aus einem Riss in einem Abflussrohr dringt, eine Blume, die sich am Straßenrand festhält, ein Baum, der seine Krone dem Licht entgegenstreckt – sie erinnern mich nicht an meine Kindheit, sondern daran, dass sie irgendwo noch atmet. Was einst alltäglich war, fühlt sich heute wie eine stille Hoffnung an …“ | Şifa Girinci | www.sifagirinci.com

„Die Straßen meiner Kindheit wirkten breiter und leerer. Vielleicht waren sie es. Vielleicht war ich einfach kleiner.“ | Sophia Muriel | www.instagram.com/sophiamuriel_/?hl=de

„…hier lebten Leute mit wenig Geld…“ | Natascha Ungeheuer | https://www.deutschlandfunkkultur.de/malerin-natascha-ungeheuer-meine-bilder-sind-mein-100.html

„Was bleibt, sind Fragmente: der Geruch von Regen und feuchter Erde, instabile Emotionen, eine aufsteigende innere Unruhe, die Erinnerung an den Wunsch, einem Schwimmbecken voller Affen zu entkommen.“ | Eunsun Ko | https://eunsunko.com/

„…Im Winter maß die Stadt die Zeit in Routinen. Im Sommer löste das Meer sie auf. Auf der Insel konnte sich die Zeit ausdehnen. Noch heute riecht Freiheit nach Meer …“ | Sümer Sayın | www.sumersayin.com

„Du fühlst dich nicht zugehörig, folge nicht, höre nicht auf deine Mutter, die von dir verlangt, dass du dich in deine Rolle fügst, bist wie alle anderen. Höre nicht auf deinen Vater, der verlangt, dass du mit ihm in der Fabrik arbeitest. Versuche, einzig zu sein. Kleide dich anders. Sie bemerken dich jetzt nicht, aber später werden sie es. Wenn niemand um dich ist, stelle die Musik laut und singe, schreie, sei laut.“ | Sharon Paz | sharonpaz.com/wp/

„Meine Sachen bleiben in Koffern verstaut, wandern von einem vorübergehenden Raum in den nächsten und verlängern so meine Erfahrungen aus der Kindheit in die Gegenwart.“ | Rezzan Gümgüm | rezzangumgum.com/

„Die Kindheit ist ein langer Tunnel in der Dunkelheit, in dem sich alles dreht, wendet und wirbelt, bis die Sonnenstrahlen durchdringen und die Hügel wieder zum Vorschein kommen. Die Kindheit ist ein langer, kalter Sonntagnachmittag, an dem nichts Wichtiges passiert.“| Inga Harutyunyan | – @pixie.eats.people 

“… da waren nur Jugendliche, die einfach rumgehangen haben. Eine Welt hat sich eröffnet. Ich hatte sofort das Gefühl: Hier ist mein Volk. Ab dieser Nacht ging mein Leben los. Alles vorher kannste in eine Kiste packen – scheißegal.” | Lilli Kuschel | www.instagram.com/lillikuschel/?hl=de

„…Die alten Zeiten mit Außentoiletten, eingefrorenen Wasserleitungen im Winter und der Mauer will ich nicht wiederhaben. Die neuen Zeiten mit Gentrifizierung, ständigen Mieterhöhungen, erstickender, durchkommerzialisierter multikulti Langeweile möchte ich ebenso wenig.“ | Friedrich Kuhn 

Im Rahmen der Ausstellung laden wir zu einer Reihe von Veranstaltungen ein, darunter ein Artist Talk, ein Artist Walk sowie ein Gespräch zum Thema „Working with Communities“.
Außerdem wird es einen Austausch mit EG 22, einem jungen Projektraum in Schöneberg, geben. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit werden die in der Ausstellung „Auf dem Karussell“ gezeigten Filme in einem Filmscreening präsentiert.
Die Ausstellung endet am 14. November 2026 mit einer Finissage.
Weitere Termine und Details werden in Kürze bekannt gegeben.

Die Arbeiten in den Schaufenstern sind als Teil von BLOCK 57 gefördert durch das Kulturamt Friedrichshain-Kreuzberg.

English:

On the Carousel 

Childhood
Fragments, images, memories,
shadowy, in the mist,
a taste, a smell, a feeling, a dream, a fantasy.
Stories, photographs, overlays
Appropriation of images.
Manipulating the truth, overwriting the experience, blurring the contours.
The image spins, it staggers.

Retrospect, Dizziness, Vertigo

The exhibition explores what memories evoke within us. Whether as a distant image, a narrative, or an emotional state, how does looking back shape our present and our future?
Without ignoring the turbulence of the present, the exhibition addresses the power of the past: how it shapes, blurs, and sometimes even erases our sense of being. It also explores the narrative—the story we tell about ourselves—that shapes, overwrites, relativizes, and transforms our memories.

The artistic works created for this exhibition attempt to confront this dizzying subject.
The exhibition takes place both indoors and outdoors. The indoor space features artists who grew up in countries other than Germany. The outdoor presentation showcases artists who grew up in Kreuzberg or moved there at a young age. Their works are presented on screens in the shop windows surrounding BLOCK 57, the residential block that SCOTTY is part of. Today, all the participating artists are based in Berlin.
The exhibition venues alongside SCOTTY are: Die Stiege, Bioladen Brandenburger Landwaren Oranienstr. 47A | Copy Tiger Oranienstr. 44 | Boxen Gross Oranienplatz 5

“…A weed pushing through concrete, a root seeping from a crack in a drainpipe, a flower holding on at the edge of the road, a tree raising its crown toward the light, they don’t remind me of my childhood, but of the fact that it still breathes somewhere. What was once ordinary now feels like a quiet hope…” | Şifa Girinci | www.sifagirinci.com

“…The streets of my childhood seemed wider and emptier. Perhaps they were. Perhaps I was simply smaller.” Sophia Muriel | www.instagram.com/sophiamuriel_/?hl=de

“…people who didn’t have much money lived here…” | Natascha Ungeheuer | https://www.deutschlandfunkkultur.de/malerin-natascha-ungeheuer-meine-bilder-sind-mein-100.html

“…What remains are fragments: the smell of rain and damp earth, unstable emotions, a rising inner unease, the memory of the desire to escape from a swimming pool full of monkeys.” | Eunsun Ko | https://eunsunko.com/

“…In winter, the city measured time in rourines. In summer, the sea dissolved them. On the island, time could expand. Even today, freedom smells of the sea…” | Sümer Sayın | www.sumersayin.com

“…Don’t feel belonging, don’t follow, don’t listen to your mother who wants you to obey the roles, to be as everyone else. Don’t listen to your father who wants you to work with him in the factory. Try to be unique. Dress differently. They don’t notice you now but later they will. When no one is around, put the music on high volume and sing, scream out, be loud.” | Sharon Paz | sharonpaz.com/wp/

„…My belongings remain packed in suitcases, moving from one temporary room to another, extending a childhood experience into the present.“ | Rezzan Gümgüm | rezzangumgum.com

„Childhood is one long tunnel in the dark, spinning, turning, churning, until the sunrays shine through and the hills appear again. Childhood is a long, cold Sunday afternoon, where nothing important happens.” | Inga Harutyunyan | – @pixie.eats.people 

“… there were just a bunch of teenagers hanging around. And suddenly, a whole new world opened up to me. I knew right away: These are my people. That night, my life fucking started. Everything before that? You can shove it in a box and forget about it — I didn’t give a shit.” | Lilli Kuschel | www.instagram.com/lillikuschel/?hl=de

“…I don’t want the past back; outdoor toilets, frozen water pipes in winter, and the Berlin Wall. But I don’t want this time either; gentrification, constant rent increases, and a suffocating, commercialized multicultural monotony.” | Friedrich Kuhn 

As part of the exhibition, we invite you to a series of events, including an artist talk, an artist walk, and a talk on “Working with Communities.” We will also be hosting an exchange with EG 22, a young project space in Schöneberg. As part of this collaboration, the films featured in the exhibition “Auf dem Karussell” will be presented in a film screening.
The exhibition will close with a finissage on November 14, 2026.
Further dates and details will be announced soon.

The works displayed in the shop windows are funded as part of BLOCK 57 by the Kulturamt Friedrichshain-Kreuzberg.