The Antimatter Factory

from 2015/04/11 until 2015/05/09

The Antimatter Factory

Christine Niehoff, Inés Rebelo, Rose Stevens, Anne Woelk 

Eröffnung: 10. April 2015, 19 Uhr
Dauer der Ausstellung:
11.04. 2015 bis 09.05. 2015
(geschlossen am 1. Mai 2015)


english: 

The Antimatter Factory

Christine Niehoff, Inés Rebelo, Rose Stevens, Anne Woelk

Opening: April 10, 2015, 7pm
Duration: April 11 – May 9, 2015
(closed on May 1)

(english version below)

“Es menschelt im Weltall ebenso sehr wie auf der Erde. Egal in welchen Raum sich der Mensch begibt, er nimmt sich immer selber mit und zuerst einmal wird ihm von der Fliegerei im Weltall nur schlecht.” Stanislaw Lem
“To present in fiction form new ideas too difficult or too vague as yet to be presented as scientific fact. And ideas that are not scientific fact, never will be, but that are fascinating conjectures  […] We are capable of seeing alternate viewpoints as coequal with our own.” Philip K. Dick

Antimaterie ist schon lange berühmt als der Brennstoff, der das Raumschiff Enterprise durch die Weiten des Universums in STAR TREK antreibt. Doch auch die NASA experimentiert an einer durch ‘reale’ Antimaterie angetriebenen Rakete für die Reise zum Mars. Fiktion wird (möglicherweise) zu Realität.
The Antimatter Factory bringt die Arbeiten von drei visuellen Künstlerinnen und einer Autorin zusammen, deren Werke, wie die Anwendungsformen der Antimaterie, irgendwo zwischen Realität und Fiktion angesiedelt sind, auf einem Gebiet, auf dem ernsthafte wissenschaftliche Recherche mit Humor und Imagination zusammentrifft. Die Künstlerinnen verbinden Recherchematerial aus einer Vielfalt von Quellen in ihrer Arbeit, um unsere Sicht auf die Welt und unser Verständnis von Realität und Normalität zu hinterfragen. Diese Quellen reichen dabei von Trivialprosa bis hin zu hoher Literatur, von wissenschaftlichen Büchern und Artikeln bis hin zur Populärwissenschaft.
Zukunftsvisionen aus der Science Fiction haben sich häufig im nachhinein als wahrhaft visionär und erschreckend zutreffend herausgestellt. Und wenn die Details auch nicht genau stimmen, haben diese Werke dennoch oft sehr aufschlussreiche Einblicke z.B. in soziale Entwicklungen ermöglicht. Über den Umweg der Zukunft kommentieren die Künstlerinnen  mit dem Genre der Science Fiction in dieser Ausstellung letztendlich die Gegenwart.

Christine Niehoffs Arbeiten basieren auf umfassenden Recherchen, wobei fiktives Material dokumentarischen und wissenschaftlichen Quellen gleichgestellt wird. Sie interessiert besonders, inwiefern kollektive Sprach- und Erzählkonventionen wie Mythen, Ideologien, Filmgenres und Fernsehformate uns bewusst und unbewusst beeinflussen und bestimmen, indem sie durch die ständige Wiederholung bestimmter Erzählmuster unsere Interpretation der Wirklichkeit prägen.
Das Thema der Science Fiction steht dabei im Zentrum ihrer Installationen und Videos. Ihr ist weniger an einer möglichst realistischen Inszenierung gelegen, als vielmehr an der Gestaltung eines bühnenhaften Geschehens. Durch die Verwendung von Alltagsmaterialien und eine ausgesprochene LowTech-Ästhetik bewegen sich ihre Arbeiten zwischen wissenschaftlicher Recherche und Science Fiction, zwischen großen Plänen und banalen Alltäglichkeiten, zwischen Heldentum und Weltraumklos.

Die Beziehung zwischen wissenschaftlichem Wissen und Momenten der empirischen Alltagserfahrung ist von zentraler Bedeutung für Inés Rebelos Arbeiten. Astronomie und Kosmologie sind schon lange die Basis ihrer Recherche, mit ihren Raum und Zeitskalen, die in scharfem Kontrast stehen zu gewöhnlichen Ereignissen, hier und jetzt. Zudem ist das Genre der Science Fiction ein weiterer Fokus ihres Interesses, ihrer Arbeit, der uns eine kritische Vision der Gegenwart vorhält, die getrieben wird von wissenschaftlichen und schnellen, technologischen Entwicklungen.
Daher ist es nicht verwunderlich, wenn man in ihren Arbeiten weit entfernten Galaxien, Nebulae und Planeten begegnet, neben Suppenschüsseln, Essensverpackungen, Uhren, Autos und Zelten, alle in der selben Lamelle. Astronomie bewegt sich hier in Richtung Astrologie. Kosmologische Ergebnisse werden zu Nonsens, absurdem und trockenem Humor, oder schlicht unglaubwürdig. Wissenschaftliche Diagramme sind der Ausgangspunkt für präzise Heimwerkertätigkeiten. Sogar das elektromagnetische Spektrum kann sich materialisieren als ein verrücktes Teleportationsgerät zu einer anderen Welt.

Rose Stevens ist eine englische Schriftstellerin, die speziell für diese Ausstellung einen kurzen Science Fiction-Text schreiben wird.

Anne Wölk faszinieren dystopische Welten und Realitätskonstruktionen aus Science-Fiction Filmen,  wie “Matrix” (A.Wochowski & L.Wachowski, USA 1999) und “Dark City” (A. Proyas, USA, 1998).
Beide Kinostreifen haben das Wirklichkeitsverständnis einer ganzen Generation geprägt und zeigen die Realität als verwundbares Konstrukt. Aus der intensiven Beschäftigung mit den Begriffen Simulation und Virtualität heraus, sampelt die Künstlerin Material aus der Fantastik zurückliegender Jahrzehnte. Durch fortwährendes Schichten und in Beziehung setzen entwickelt sie einen eigenen Bildkosmos, der in einem erweiterten Sinne, als ein Spiegel eines subjektiv wahrgenommenen Zustandes der Welt, gelesen werden kann.
In Ihrem Werkprozess bezieht sich die Malerin auf Filmstills, Satelitenfotos und automatisierte, computergenerierte Bilderzeugnisse von Weltraumkameras. Bei der Darstellung des Weltalls und dem Licht der Sterne muss sie sich auf die moderne Fototechnik verlassen und kann nicht von der selbstständigen Beobachtung aus den Bildgegenstand erforschen und studieren. In diesem Sinne ist  Anne Woelk fortwährend mit der Problematik von Verfremdung und Verzerrung von Realität konfrontiert. Durch das Zitieren aus verschiedenen Quellen interpretiert sie auf diese Weise die Struktur der Wahrnehmung im digitalen Zeitalter.
Hinzu tritt ein Interesse für unterschiedliche Malereisprachen und Strategien. Neben den traditionellen Maltechniken experimentiert sie mit zeitgenössischen Farbpaletten und Produkten. Besonders fasziniert sie die Wechselwirkung und der Kontrast zwischen fluoreszierenden Neonfarben und dem Tiefenlicht, wie es in der Lasurmalerei entsteht.


english version:

“Humans are humans just as much in Space as they are on Earth. No matter which space a human being enters he will always be a human being and all that flying around in space only makes us feel sick.” Stanislaw Lem
“To present in fiction form new ideas too difficult or too vague as yet to be presented as scientific fact. And ideas that are not scientific fact, never will be, but that are fascinating conjectures – in other words, possible or alternate science systems. […] We are capable of seeing alternate viewpoints as coequal with our own.” Philip K. Dick

Antimatter has long been famous for being the fuel used to propel starship Enterprise through the universe in STAR TREK. Now NASA scientists are working on a ‚real‘ antimatter space rocket to go to Mars. And fiction might just become reality.
The Antimatter Factory brings together the works of three visual artists and a writer, who – just like the application spectrum of antimatter – operate somewhere between fact and fiction, in an area where serious research meets humour and imagination.The artists combine research material from a wide variety of sources in their work in order to question our view of the world and understanding of reality and normality. These source range from trivial to high literature, from scientific books and articles to popular science.
Visions of the future in science fiction have often proved to be truly visionary and frighteningly accurate in retrospect. If they didn’t get the details right they nevertheless often provided very revealing insights into social aspects. Almost always they open our eyes to the present and what is wrong with it. Via the detour of the future the genre of science fiction allows the artists in the show to comment on the present.

Christine Niehoff’s work is based on intensive research, with factual and fictional source material being equally important. Her core concern is the question how collective language patterns and conventions such as myths, ideology, film genres or TV formats consciously and unconsciously influence the way we think and interpret reality through constant repetition.
The idea of Science Fiction is at the centre of her installations and videos, which show less interest in realism than in the creation of an almost theatrical reproduction of reality. Using everyday objects and a decidedly low tech collage aesthetic her work is a balancing act between scientific research and science fiction, magnificent plans and everyday banality, heroism and space loos.

The relationship between scientific knowledge and the empirical experience of everyday moments is central to Inês Rebelo’s practice. Astronomy and cosmology have consistently informed her research, with its spatial and time scales placed in sharp contrast with familiar events, present here and now. In addition, the genre of science fiction operates as another cluster of interest, in her work, bringing us a critical vision of present times driven by scientific and fast technological developments.
Thus, in her practice, it is not surprising to encounter faraway galaxies, nebulae, planets and soup bowls, takeaway food containers, clocks, cars, emergency light beacons, and camping tents all in the same lamella. Astronomy becomes closer to astrology. Cosmological findings become nonsense, absurd, deadpan humorous or unbelievable. Scientific diagrams trigger precise DIY processes. And, even the electromagnetic spectrum can materialize as a bonkers teleportation device to another world.
Rose Stevens is an English writer who will write a short science fiction story for the show.

Anne Wölk’s interest in science fiction is the starting point for her mixed-media paintings in which she explores the simultaneity of Romanticism and the idea of Utopia as well as the imagery of futuristic science and technology. The main characteristic of her paintings is the idea of sampling. Aside from traditional techniques of painting she experiments with contemporary colour schemes and paints. She is particularly fascinated by the interplay and the contrast between the superficiality of neon colours and the depth of glazing.
Science fiction film stills, satellite photographs and computer-generated images taken by space cameras are the raw material for her paintings, along with elements borrowed from Constructivism, post-painterly abstraction and photorealism. For her representation of space and the light of stars she has to rely on modern photographic technology and cannot directly observe the object of her research herself. Using a variety of sources she explores the notion of perception in the digital age and develops paintings inspired by film and science which can be read as a mirror of a subjectively perceived world in the digital age.