Luftunruhe 2

© JP100

Luftunruhe 2
Ein Austauschprojekt zur Zeichnung aus Berlin und dem Raum Köln
Anne Cichos, Jennifer Eckert, Eva-Maria Kollischan, Julia Krewani, Julia Pietschmann, Nicole Wendel

Eröffnung: 24.04.2026, 19 Uhr
Performance zur Eröffnung, 19.30 Uhr, Nicole Wendel im Dialog mit Jennifer Eckert

Ausstellung: 25.04.–30.05.2026
Finissage: 30.05.2026, 16 Uhr

English:

Luftunruhe 2
An exchange project on drawing from Berlin and the Cologne area
Anne Cichos, Jennifer Eckert, Eva-Maria Kollischan, Julia Krewani, Julia Pietschmann, Nicole Wendel

Opening: 24.04.2026, 7 pm
Performance at the opening, 7.30 pm, Nicole Wendel with Jennifer Eckert
Exhibition: 25.04.–30.05.2026
Closing reception: 30.05.2026, 4 pm

 

(English version below)

Anknüpfend an das gemeinsame Ausstellungsprojekt im KunstWerk Köln im Frühjahr 2025, wird nun der Dialog zwischen den sechs Künstlerinnen im Projektraum SCOTTY Berlin fortgesetzt. Die künstlerischen Positionen aus den jeweiligen Regionen, die sich mit der Zeichnung oder Linie an den Grenzen zu anderen Disziplinen beschäftigen, kommen hier wieder zusammen. Gezeigt werden Arbeiten auf Papier, Installationen, Objekte und Texte. Neben eigens für den Ort entwickelten Installationen und Wandarbeiten wird die Ausstellung mit einer Performance eröffnet.
Das Austauschprojekt widmet sich der Luftunruhe als flüchtigem, formendem Element. Es beschreibt die Turbulenz der unteren Erdatmosphäre, verursacht durch ungleichmäßige Erwärmung der Erdoberfläche. Dieses Phänomen lässt zum Beispiel Sterne funkeln und ist in der Astronomie als Seeing bekannt. Die Atmos­phäre ist hier in ständiger Bewegung, Bilder geraten ins Flimmern, Orientierung und Schärfe gehen verloren. Das Gesehene ist nicht mehr verlässlich, obwohl sich das Objekt selbst nicht bewegt – ein atmosphärischer Schwindel. Doch nicht die Welt kippt, sondern die Wahrnehmung gerät aus dem Gleichgewicht – die Ursache liegt als Instabilität zwischen Beobachter und Objekt.
Die Ausstellung greift diese Wahrnehmungsveränderungen auf, die in den Natur­wissenschaften eher als Störfaktoren gelten und überträgt die atmosphärische Unruhe in ein körperliches und visuelles Gefühl des Schwindels, wo Wahrnehmungen ins Wanken geraten, Bewegung als Voraussetzung für Leben gilt und sich das Beständige vorübergehend wandeln darf. Gesucht wird nach dem künstlerischen und wahrnehmungs­ästhetischen Potenzial dieser Zustände.

Anne Cichos versteht Zeichnung als erinnerte, kinästhetische Bewegung. Die Arbeiten untersuchen elementare physikalische Kräfte – Aggregatzustände, Gravitation, Licht sowie die atmosphärischen Bedingungen, die einen Ort konstituieren. Sie zeigt neueste Arbeiten aus ihrem fortlaufenden Projekt der Abriebzeichnungen. Sie entstanden während einer Artist-Residency auf einem Bergrücken in den Westfjorden Islands.
Jennifer Eckert untersucht die Verflechtungen von Text und Textil, Schrift und Gewebe. In einem prozesshaften Forschungsfeld entstehen Zeichnungen, Objekte und Künstler:innenbücher, die das Buch als Konzept und Struktur befragen. Sie widmen sich Knoten, Zwischenräumen und Brüchen von Sprache und Gestalt.
Eva Maria Kollischan begreift Zeichnung als emotionalen Ausdruck im Spannungsfeld zwischen Abstraktion und Abbildung. Für die Ausstellung Luftunruhe hat sie eine ortsspezifische Arbeit entwickelt, die Bewegung als Sinnbild für Veränderung und Entwicklung thematisiert. Die Zeichnung auf dem Fenster macht eine Membran sichtbar, die Innen- und Außenraum miteinander in Beziehung setzt.
Julia Krewani untersucht das Phänomen der Bewegung anhand plastischer Zeichnungen und kinetischer Objekte. Für die Ausstellung hat sie sich mit der Sichtbarkeit von Luft in Form von Windhosen befasst.
Julia Pietschmann erforscht Schwellen, Grenzräume und Landschaften, in denen wandelnde Ideale, die Beziehung des Menschen zur Natur und dessen Eingriffe sichtbar werden. Sie zeigt Zeichnungen aus der Serie »Schneefelder« und eine Wandzeichnung. Die Arbeiten zeugen von atmosphärischen Turbulenzen, legen verborgene Töne des Schnees frei und machen Luftunruhe als Farbschwingung sichtbar.
Nicole Wendel vereint die Performance mit dem Zeichnen. Seit vielen Jahren fasziniert sie die Verbindung von Bewegung als Zeichnung, Klang als Inter-Resonanz und Abrieb als bleibende Spur flüchtiger Ereignisse. Aspekte, die sich in ihrer Performance wieder­spiegeln werden. Außerdem zeigt sie eine großformatige Zeichnung aus der jahresübergreifenden Serie »Beyond«, die dem April (Wandel) zugeordnet ist.

 

English version:

Following on from the joint exhibition project at KunstWerk Köln in spring 2025, the dialogue between six artists will be continued at SCOTTY Berlin. The artistic positions from the respective regions, which deal with drawing or line at the boundaries to other disciplines, come together here. Works on paper, installations, objects, and texts will be on display. In addition to installations and wall works developed specifically for the venue, the exhibition will begin with a performance.
The exchange project handles air turbulence as a fleeting, formative element. It describes the turbulence in the lower atmosphere caused by uneven heating of the Earth’s surface. This phenomenon causes stars to twinkle, and is known in astronomy as seeing. The atmosphere is in constant motion, images flicker, orientation and sharpness are lost. Even though the object itself does not move, what is seen is no longer reliable—an atmospheric vertigo. But it is not the world that is tilting, rather perception that is thrown off balance—the cause lies in the instability between observer and object.
The exhibition picks up on these changes in perception, which are generally considered disruptive factors in the natural sciences, and translates the atmospheric unrest into a physical and visual sensation of vertigo, where perceptions are shaken, movement is considered a prerequisite for life, and the constant is allowed to change temporarily. The exhibition seeks to explore the artistic and perceptual-aesthetic potential of these states.

Anne Cichos understands drawing as remembered, kinesthetic movement. Her works explore elementary physical forces—states of matter, gravity, light, and the atmospheric conditions that constitute a place. She is showing her latest works from her ongoing project of abrasion drawings. They were created during an artist residency on a mountain ridge in the Westfjords of Iceland.
Jennifer Eckert explores the interconnections of text and textile, writing and fabric. In a process-oriented field of research, drawings, objects, and artist’s books emerge that interrogate the book as concept and structure. They focus on knots, interstices, and ruptures in language and form.
Eva Maria Kollischan understands drawing as emotional expression, a tension between abstraction and representation. For the exhibition Luftunruhe, she has developed a site-specific work that addresses movement as a symbol of change and development. The drawing on the window reveals a membrane that connects the interior and exterior spaces.
Julia Krewani examines the phenomenon of movement using sculptural drawings and kinetic objects. For the exhibition, she has explored the visibility of air in the form of windsocks.
Julia Pietschmann uses drawing to explore thresholds, border areas, and landscapes in which changing ideals, humanity’s relationship with nature, and human intervention become visible. She is exhibiting drawings from the series “Schneefelder” (Snowfields) and a wall drawing. The works bear witness to atmospheric turbulence, reveal hidden colours of snow and make air turbulence visible as colour vibrations.
Nicole Wendel combines performance with drawing. For many years, she has been fascinated by the connection between movement as drawing, sound as inter-resonance, and abrasion as a lasting trace of fleeting events. These aspects are reflected in her performance. She also presents a large-format drawing from the year-long series “Beyond”.