Verzerrt

© Kiki Gebauer
Verzerrt
Kiki Gebauer, Sonja Knecht
Eröffnung: Fr, 06.03.2026, 19 Uhr
Ausstellung: 07.03.– 18.04.2026
Führung: Sa, 21. März, 17 Uhr
Finissage: Sa, 18. April 2026, 17 Uhr mit Elke Fernholz, Saxophon
English:
Verzerrt (Distorted)
Kiki Gebauer, Sonja Knecht
Opening: 2026, March 06, 7 pm
Exhibition: 07.03.– 18.04.2026
Guided tour: Sat, 21 March, 4 pm
Closing event: Sat, 18 April 2026, 5 pm with Elke Fernholz, Saxophone
(English version below)
Das Jahresthema Schwindel impliziert das Thema Wahrheit. Aber was ist die Wahrheit? Wenn wir uns im Spiegel betrachten, sehen wir unser Spiegelbild. Das ist aber spiegelverkehrt. Das heißt, wir sehen uns anders, als uns andere sehen. Was ist nun wahr, die Selbstwahrnehmung oder die Wahrnehmung der Anderen? Ist beides Realität oder ist eins davon verzerrt? Was wird uns gespiegelt, welche Wahrheit ist wahr? Gibt es die eine Wahrheit überhaupt, oder ist sie nur eine Facette der eigenen Wahrnehmung? Inwieweit hängt diese vom jeweiligen Blickwinkel ab, vom Standpunkt, aus dem wir die Dinge betrachten – und was machen wir mit der ‚Kenntnis‘ unseres Standpunktes?
Mit diesen Gedanken haben sich die Künstler·innen Kiki Gebauer und Sonja Knecht zu der Ausstellung Verzerrt zusammengefunden.
Kiki Gebauer verwandelt den Projektraum in ein Spiegelkabinett und löst damit die Grenzen des Raumes auf. In diesen Spiegelraum hinein installiert sie ihre konkreten Objekte. Da die Spiegel nicht ganz eben sind, kommt es zu Verzerrungen. Diese können einen schwindelig machen, aber sie führen auch dazu, dass die geradlinigen minimalistischen Skulpturen in der Spiegelung durch neue, amorphe Formen verwandelt bzw. ergänzt werden. Diese unregelmäßigen, gespiegelten Formen verändern sich stark beim Betrachten, je nach Standort. Schon leichte Bewegungen des Kopfes lassen neue Bilder entstehen. So ist die Spiegelung ständig in Veränderung. Alles ist im Fluss, ein Spiel zwischen Konstanz und Wandel. Am Eröffnungsabend wird Kiki Gebauer eine Einführung zu ihrer Arbeit und zum Ausstellungskonzept geben. www.kiki-gebauer.de
Sonja Knecht untersucht Wörter auf ihre Begrifflichkeit. Ihr Anagrammieren ist ein handschriftliches Wühlen im Wortmaterial. Großformatige Ausschnitte aus ihren Anagramm Manuskripten mögen auf den ersten Blick wie haltlose Verzerrungen wirken, aus denen Reste von Semantik hier und da hervorlugen – machen jedoch langwierige Prozesse sichtbar, die strengen Regeln folgen. Der Beginn: Ein Satz oder Satzfragment, ein Ausruf, Gedanke oder Zitat machen sich bemerkbar. Warum? Was steckt darin? Wie finde ich es? Sonja Knechts Kerntechnik: Wörter anstarren. Irgendwann schauen sie zurück, und dann passiert etwas. In der Interaktion zwischen Textkünstlerin und Text geschieht neue Bedeutung. Tage- und nächtelang, zum Teil über Jahre, ordnet Sonja Knecht die gegebenen Buchstaben neu an, sammelt Bedeutungsbausteine. Aus x Manuskriptseiten wählt sie schließlich vollständige Zeilen aus, in denen alle Buchstaben der Ausgangszeile vorkommen (kein Buchstabe mehr, keiner weniger), sortiert und verbindet sie. Erst so wird daraus ein Gedicht. Zur Vernissage liest Sonja Knecht aus ihren Anagrammgedichten. www.txet.de
Elke Fernholz spielt mit dem Thema Echo, bzw. Veränderung des Tons im Raum. Wie entwickelt sich ein Ton, wenn er das Instrument verlässt. Wie wird er im Raum reflektiert und was wird von dem Originalton oder der Tonfolge an einem anderen Ort wahrgenommen? Wie entwickelt sich der Hall bzw. Nachhall, wie entsteht ein Echo, und was für eines? Mit ihrer Stimme und Saxophon spielt Elke Fernholz verschiedene Variationen durch.
Vernissage: Freitag, 6. März 2026, 19 Uhr
mit einer Einführung von Kiki Gebauer und Gedichten von Sonja Knecht
Führung durch die Ausstellung: Samstag, den 21. März, 17 Uhr
die Künstler·innen erläutern ihre Konzepte und Arbeitsweisen
Finissage: Samstag, 18. April 2026, 17 Uhr
Auftritt Elke Fernholz (Saxophon), Artist Talks mit den Künstler·innen
English Version:
The topic of deception implies the topic of truth. But what is truth? When we look at ourselves in the mirror, we see our reflection. But it is reversed. This means that we see ourselves differently than others see us. So, what is true, our self-perception or the perception of others? Are both real or is one of them distorted? What is reflected to us, which truth is true? Is there such a thing as one truth, or is it just a facet of our own perception? To what extent does all of this depend on our perspective, on the point of view from which we look at things – and what do we do with this ‘knowledge’ about our point of view?
With these thoughts in mind, artists Kiki Gebauer and Sonja Knecht have come together for the exhibition Verzerrt (Distorted).
Kiki Gebauer transforms the project space into a hall of mirrors, thereby removing the boundaries of the room. She installs her concrete objects in this mirrored space. Since the mirroring material is not completely flat, distortions will occur. These can make you feel dizzy, but they also cause the linear, minimalist sculptures to be transformed or supplemented by new, amorphous forms in the reflection. These irregular, mirrored forms change significantly when viewed from different angles. Even slight movements of the head create new images. Thus, the reflection we experience is constantly changing. Everything is in flux, a play between constancy and change. On the opening night, Kiki Gebauer will introduce her work and the exhibition concept. www.kiki-gebauer.de
Sonja Knecht examines words for their meaning. Her anagramming is rummaging through word material via handwriting. At first glance, large-format excerpts from her anagram manuscripts may appear groundless distortions, with remnants of semantics peeking out here and there – but they reveal lengthy processes that follow strict rules. The beginning: a sentence or fragment, an exclamation, a thought or a quotation catches her attention. Why? What is in it? How can I find it? Sonja’s core technique: staring at words. At some point, they look back, and then something happens. New meaning emerges in the interaction between the text artist and the text. For days and nights, sometimes over years, Sonja Knecht rearranges the given letters, collecting building blocks of meaning. From x manuscript pages, she finally selects complete lines in which all the letters of the original line appear (no more letters, no fewer), sorts them and connects them. Only then does it become a poem. At the vernissage, Sonja Knecht shares some of her anagram poems. www.txet.de
Elke Fernholz plays with the theme of echo, or rather the change in sound within a space. How does a sound develop once it leaves the instrument? How is it reflected within the space, and what is perceived of the original sound or sequence of sounds in a different location? How does reverberation or echo develop, how does an echo arise, and what kind of echo? Elke Fernholz plays through various variations with her voice and saxophone.
Opening reception: Friday, 6 March 2026, 7 p.m.
with an introduction by Kiki Gebauer and poems by Sonja Knecht
Guided tour of the exhibition: Saturday, 21 March, 4 p.m.
the artists explain their concepts and working methods
Closing event: Saturday, 18 April 2026, 5 p.m.
performance Elke Fernholz (saxophone), talks with the artists


