Kismet

Bild/image: © Niina Lehtonen Braun

KISMET
Niina Lehtonen Braun & JOKAklubi 
 

Ausstellung: 20.02.2021 – 20.03.2021

Online-Eröffnung und Performance: Samstag, 20.02.2021, 19 Uhr
Registrierung für die kostenlose Veranstaltung:
https://www.eventbrite.co.uk/e/jokaklubi-die-gruppenreise-tickets-138054100531 

 

English:

KISMET
Niina Lehtonen Braun & JOKAklubi
Exhibition: February 20 – March 20, 2021

Online-opening and performance: Saturday 20 February 2021, 7 pm
CET. Register for the free event at https://www.eventbrite.co.uk/e/jokaklubi-die-gruppenreise-tickets-138054100531

 

 

(English version below)

Plötzlich und wie aus heiterem Himmel ist da etwas, das uns drängt und zieht, das uns anspornt und in Bewegung setzt: ein Auslöser, ein Trigger, der Verbindungen herstellt und Bedeutungen entstehen lässt…

In der Ausstellung KISMET zeigt die finnische Künstlerin Niina Lehtonen Braun eine Auswahl aus ihrer umfangreichen Serie von Zeichnungen und Collagen mit dem Titel These Foolish Things Remind Me of You (2014 – heute). Seit 2014 sammelt Lehtonen Braun Dinge, die Menschen an besondere Personen erinnern. Sie fragte Freundinnen und Freunde, Verwandte und Ausstellungsbesucher*innen nach ihren ganz persönlichen und individuellen Erinnerungen. Zusammen gekommen sind Objekte, Geschmäcker, Geräusche, Gerüche, Situationen, Jahreszeiten, Liedzeilen usw., zu denen Lehtonen Braun jeweils eine zugehörige Zeichnung oder Collage schuf. Auf diese Weise sind kleine Denkmäler entstanden, ein riesiges Archiv, das den Betrachter ermutigen sollen, über geliebte Menschen und Erinnerungen nachzudenken. Es wird weiter gesammelt an Foolish Things…

Dazu präsentiert das Künstler*innenkollektiv JOKAklubi, dem neben Niina Lehtonen Braun noch Tellervo Kalleinen und Mirka Raito angehören, die drei Audioarbeiten I Almost Said (2016), I Shouldn’t have Said (2020) und I can´t forget, when you said (2021). Für die humorvollen und herzerwärmenden Lieder hat JOKAklubi Sätze gesammelt, die man „beinahe gesagt hätte”, „die man nicht hätte sagen sollen“ oder „die man nie vergessen wird.”

Niina Lehtonen Braun hat bildende Kunst in Finnland und Paris studiert und lebt und arbeitet seit 2000 in Berlin. Neben Collagen umfasst ihre künstlerische Arbeit Malerei, Installationen und Performances. Im Kerber Verlag sind die zwei Künstler*innenbücher Mother Said (2014) und These Foolish Things Remind Me of You (2016) über ihre Arbeit erschienen. Lehtonen Braun ist seit 2015 Projektraum-Mitbetreiberin im HilbertRaum, Berlin. Ihre künstlerischen Arbeiten hat sie seit 1996 in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt.
www.niina-lehtonen-braun.com

JOKAklubi wurde 2009 gegründet und kombiniert in hinreißenden Low-Tech-Aktionen Performance, Musik, Video und Installation.  JOKAklubi ist von Menschen inspiriert und lädt ein, an seiner Kunst teilzunehmen – sowohl auf der Bühne als auch in den Kunstwerken. JOKAklubis Kunst berührt die absurden und existenziellen Seiten des menschlichen Lebens.
http://jokaklubi.blogspot.com/ 

Über die Performance „Die Gruppenreise“:
Alle, die schon einmal eine der JOKAklubi-Live-Performances erlebt haben, wissen, dass sie ein gemütliches und charmantes Ambiente zu erwarten haben. Unsere Empfehlung für Erstbesucher: Sagt einfach „JA!“ zu der Gruppenreise von JOKAklubi! Auch wenn es zunächst keinen Sinn zu ergeben scheint… Man wird leichter und voller Sonne sein!
Für alle Mitreisenden: Bitte eine Kerze, Proviant, Getränk, einen Sonnenhut und eine Sonnenbrille einpacken. Wir treffen uns mit Reiselust am 20. Februar um 19.00 Uhr und fahren gemeinsam los. Wir werden einiges zusammen erleben während unserer 1,5 stündigen Reise. (Registrierung für die kostenlose Veranstaltung: https://www.eventbrite.co.uk/e/jokaklubi-die-gruppenreise-tickets-138054100531)

Wir hoffen, dass wir die Ausstellung bald wieder zu den regulären Öffnungszeiten und unter Einhaltung der geltenden Hygienemaßnahmen zugänglich machen können. Alternativ ist die Ausstellung durch das SCOTTY-Schaufenster (Oranienstrasse 46) zu sehen oder online unter: @scottyspaceberlin (Instagram) oder ScottyProjectSpaceBerlin (Facebook).


Trigger dieser Art

Plötzlich und wie aus heiterem Himmel ist da etwas, das uns drängt und zieht, das uns anspornt und in Bewegung setzt: ein Auslöser, ein Trigger, der Verbindungen herstellt und Bedeutungen entstehen lässt.
Die Arbeiten von Niina Lehtonen Braun aus der Serie These Foolish Things Remind Me of You stimmen versöhnlich, sie spulen dich in der Zeit zurück und setzen einen Erinnerungsprozess in Gang. Seit 2014 trägt die Künstlerin in einem fortlaufenden Prozess Material zusammen, das sie ihren eigenen Erfahrungen entnimmt. Gleichzeitig sammelt sie Kommentare und Erinnerungen von Menschen, nicht zuletzt von den Betrachter*innen, die mit ihren Arbeiten in der Ausstellung interagieren.
Und mehr als diesen einen Auslöser braucht es nicht, um eine Wirkung zu entfalten. Dabei kann es sich um eine Zeile aus einem Lied handeln, um ein Bild, das die Punkte zwischen damals und heute verbindet (mein Favorit: eine elegante Blume gehalten von einem mit Schnurrbart gerahmten Mund), oder um das Geräusch einer Kaffeemaschine (wie in einem Moment in einer der Zeichnungen). Es kann scheinbar alles sein, … aber diese Aussage stimmt schon in sich nicht. Das, was unsere Vorstellungskraft triggert – sowohl bewusst als auch unbewusst, – kann zunächst ziemlich banal sein. Aber es erreicht eine andere Dimension: In und durch den Akt des Sich-erneut-ins-Bewusstsein-Rufens, des Neu-Schreibens und Neu-Zeichnens wird es zu etwas Anderem, etwas Wichtigem und Wertvollem.
Dieser Akt, auch bekannt als Eventualisierung,  ist ein Akt des Sichtbarmachens und Erkennens von Dingen, Gerüchen oder Wörtern, die wir in unserem täglichen Leben oft vernachlässigen oder schlicht vergessen. Es ist ein Akt des Perspektivwechsels, in dem man einfach den Spieß umdreht und etwas scheinbar Unwichtiges in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückt.
Dadurch, dass man aus dem vermeintlichen Nichts ein Ereignis macht, dringt man zum Kern vor, zum schmerzenden Bewusstsein des potenziellen Reichtums unseres In-der-Welt-seins. Dieser Akt führt zu der Erkenntnis, dass die Dinge auf verschiedene Weise voneinander abhängen, dass Nuancen und Zwischentöne mächtiger sind, als wir ahnen – und dass der Trigger für das Spiel, in dem wir uns in die Zukunft erinnern, niemals neutral, niemals unschuldig, sondern wunderbar ermächtigend ist.
In Form von Zeichnungen besteht These Foolish Things Remind Me of You aus einer stets wachsenden Anzahl von Eindrücken und einschüchternden Interpretationen. Neben dieser Serie zeigt Niina Lehtonen Braun in der Ausstellung eine weitere Art des Wieder-Auflegens und Neu-Erfindens von Dingen, die uns wichtig sind. Es handelt sich dabei um die kollektiv entstandene Arbeit von JOKAklubi (Tellervo Kalleinen, Niina Lehtonen Braun, Mirka Raito), die sich in Songs, die als Klanglandschaften über Kopfhörer zu hören sind, mit den ausgelösten Erinnerungen beschäftigt.
Die Bilder mit ihrem Detailreichtum und ihrer distinktiven Vielgestaltigkeit und die Songs, die wie ein naked lunch an einem kalten, nebligen Morgen wirken, fügen sich zur Ausstellung KISMET zusammen. Diese Schau, in der die gemeinsame Euphorie zu spüren ist, überrollt uns mit einer Lawine von Anekdoten und Bedeutungsebenen, die uns aufrüttelt und unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht, damit wir an den sich ständig in Bewegung befindenden Akten des Wieder-Kehrens, des Wieder-Entfaltens und des Wieder-Erzählens teilhaben – vom Sender zu den Empfängern und immer wieder hin und her.

Mika Hannula

The exhibition is supported by Kone Foundation.


English version:

It is like an acute and amazing trigger – something that pushes and pulls, motivates and set us into action, creating and generating connections and connotations…

In KISMET, Finnish artist Niina Lehtonen Braun shows a selection from her extensive series of drawings and collages entitled These Foolish Things Remind Me of You (2014 – present). Since 2014, Lehtonen Braun has been collecting things that remind people of someone special. She asked friends, relatives, and exhibition visitors for their very personal and individual memories. Objects, tastes, sounds, smells, situations, seasons, lyrics, etc. came together, and Lehtonen Braun created a corresponding drawing or collage for each contribution. In this way, a huge archive of small monuments encourages the viewer to reminisce about loved ones. The process of collecting foolish things … continues.

In addition, the artist collective JOKAklubi, consisting of Tellervo Kalleinen and Mirka Raito with Lehtonen Braun, presents three humorous and heartwarming audio works that collect phrases such as I Almost Said (2016), I Shouldn’t Have Said (2020) and I Will Never Forget When You Said … (2021).

Niina Lehtonen Braun studied fine arts in Finland and Paris and has lived and worked in Berlin since 2000. Her artistic work includes collages, painting, installations, and performances. Kerber Verlag has published two artist books about her work, Mother Said (2014) and These Foolish Things Remind Me of You (2016). Since 2015, Lehtonen Braun has been co-director of the project space HilbertRaum, Berlin. Her artistic works have been exhibited extensively in Germany and abroad.
www.niina-lehtonen-braun.com

JOKAklubi was founded in 2009 and combines performance, music, and installation in entrancing low-tech performances, videos, and exhibitions. JOKAklubi is inspired by people and invites them to participate – both on stage and in the artworks themselves. JOKAklubi’s art touches the absurd and existential aspects of human life.
http://jokaklubi.blogspot.com/

About the online performance „Die Gruppenreise“:
Anyone who has experienced JOKAklubi ́s live performances can expect a familiar wild and engaging spirit online as well. For the first-timers – just say YES! to JOKAklubi‘s invitation to join a group trip, even if it doesn‘t seem to make any sense… You will come back home lighter, and feel the sun on your skin long after the return.For all of you: Pack a candle, a snack, a drink, a sun hat and sunglasses in your suitcase and show up online February 20 at 19.00 CET. We will experience a lot together over the 1.5 hour trip! (Register for the free event at https://www.eventbrite.co.uk/e/jokaklubi-die-gruppenreise-tickets-138054100531)

We hope that we will soon be able to make the exhibition accessible again during regular opening hours and in compliance with the applicable hygiene measures. Alternatively, the exhibition can be seen through the SCOTTY shop window (Oranienstrasse 46) or online at: @scottyspaceberlin (Instagram) or ScottyProjectSpaceBerlin (Facebook).


Triggers Like These

It is like an acute and amazing trigger – something that pushes and pulls, motivates and set us into action, creating and generating connections and connotations.
These works by Niina Lehtonen Braun, in the series called These Foolish Things Remind Me of You, they reconcile you, they rewind you, and they set loose the process of remembering. It is an on-going process that she has been working on since 2014, gathering material from her own experiences and, at the same time, collecting comments and recollections from people, not the least from viewers in interaction with the work when its been shown.
And as a trigger, when it delivers, it is definitely all that is needed; it is all that is required. It can be line from a song, it can be an image that connects the dots between then and now (my favourite: an elegant flower in and on a moustached mouth), and it can, for example, be a sound of the coffee machine (as it is in one of the moments in the drawings). It can be seemingly anything, but that in itself is a false statement. Certainly, what triggers our imagination, both consciously and unconsciously, can be, at first, fairly trivial, but it gains another dimension, it becomes something else, something important and worth-while in and through the acts of re-collection, re-writing and re-drawing.
It is an act that is known as eventualization – an act of making visible and recognizable things, smells or words that we in our daily life, day in and day out, otherwise tend to neglect or just forget. It is an act of altering the perspective, the notion of turning the tables as in bringing something somewhat irrelevant into the centre of our attention.
There and then, in and through of the acts of making an event out of the supposedly nothing, there comes to the core the aching awareness of the potential richness of our being-in-the-world. A realization how things are inter-dependent, how nuances are always much more powerful that we could possible guess – and how the trigger, the game of remembering forwards is never neutral, never innocent and nevertheless often enough wonderfully empowering.
These Foolish Things Remind Me of You consists of a still growing number of impressions and interpretive intimidations as drawings. Along this series in the exhibition, Niina Lehtonen Braun brings next to them another kind of a way of re-making and re-inventing things that matter to us. This is the collaborative effort by JOKAklubi (Tellervo Kalleinen, Niina Lehtonen Braun, Mirka Raito), addressing the about to be triggered memories and recognitions as songs – brought to the exhibition site as soundscapes in headphones.
Together the images, their great abundance of details and distinctions, and the songs made like a naked lunch on a cold misty morning, together they become the exhibition KISMET, a shared joy of a show that is here to implement and demonstrate an avalanche of anecdotes and connotations that is bound to shake our tree – and to gain our attention, and join the acts of re-turning, re-evolving and re-telling that are always on the move – from the sender to its receivers and always back again and again.

Mika Hannula

The exhibition is supported by Kone Foundation.

 

JOKAklubi, Photo:Patrick Morarescu