SEHNSUCHT

Karte von Berlin (Ausschnitt), ⓒ Thomas Behling

Sehnsucht
Hannah Becher, Thomas Behling, Ina Bierstedt, CargoCult, Ulrike Dornis, Bartbara Duisberg, Ellinor Euler, Claudia Grande, ,Ulli Grötz, Stephan Groß, Ulrike Hannemann. Stefanie Hillich, Janne Höltermann, Lisa Junghanss, Steffi Jüngling, Sabine Kinast, Hannah Lansburgh , Anett Lau, Laura Leppert, Oliver Möst, Isabell Pauer, Franziska Peter, Mari Poller, Beate Selzer, Kerstin Serz, Eva Stenram, Maria Vedder, Mara Wagenführ, Ivo Weber, Catrin Welcher, Marcelina Wellmer, Daniel Wiesenfeld

Ausstellung: 14.08.– 25.09.2021

English:

Sehnsucht  (Longing
Exhibition: 14.08.– 25.09.2021

 

English version below:

Die Ausstellung „Sehnsucht“ zeigt ausgewählte Arbeiten des diesjährigen Open Calls zu unserem Jahresthema „Sehnsucht“.
Das Thema scheint einen Nerv getroffen zu haben, wir hatten 237 Bewerbungen. Bei der Vielzahl an sehr interessanten Arbeiten, fiel uns die Beschränkung auf 32 Positionen nicht leicht.
Das Thema „Sehnsucht“ wird in verschiedenen Medien wie Malerei, Installation und Fotografie reflektiert. Der persönliche Ausgangspunkt der Thematik und damit der jeweiligen Arbeiten der Künstler:innen eröffnet einen imaginären Raum für die Betrachter:innen. Sehnsucht, als ein eigentlich sehr subjektives Gefühl, welches dennoch universal empfunden werden kann, erscheint hier in verschiedenen interessanten Sichtweisen und Interpretationen.

Jahresthema Sehnsucht
Die Sehnsucht ist wieder aufgeflammt und kommt heute in den verschiedensten Formen zum Ausdruck: in Naturliebe, der Flucht aus dem Alltag, Sehnsucht nach sozialen Kontakten, nach Normalität, nach der Ferne, nach einer Heimat und sogar in Verschwörungstheorien oder wieder der Idee der Rettung durch die politisch extreme Rechte.
Der Begriff der Sehnsucht als ein Bild, bei dem das scheinbare Abwesende zur individuellen aber auch kollektiven Projektionsfläche wird.
Motive wie romantische Landschaften Caspar David Friedrichs, ein Sandstrand mit Palme im Sonnenuntergang, das Idyll der Alpen oder das bürgerliche Paradies des eigenen Gartens sind für den neo-romantischen Betrachter im Laufe der Jahrhunderte zu Chiffren für Empfindungen und Sehnsuchtsorte geworden. Funktionieren sie heute auch noch unverändert?
Sehnsüchte als subjektive, schwer greifbare und dennoch kraftvolle innere Antriebskraft scheinen abseits von Rationalität, pragmatischen Kompromissen und Vernunft zu liegen. Und doch verweisen Sehnsüchte auch auf essentielle Fragen nach tragfähigen Inhalten, langfristig sich bewahrheitenden Lebensentscheidungen und integrem Handeln. Kann Sehnsucht als intuitiver Impuls für authentisches Agieren und Selbstermächtigung gesehen werden? Als etwas, dem zu lauschen sich lohnt, weil darin eine relevante Information über die einzuschlagende Richtung steckt? Wie können wir aus unseren Ursehnsüchten deren utopisches Potenzial destillieren und umsetzen? Wie weit können wir Sehnsüchten ähnlich einem Seismographen trauen und inwiefern ist es überhaupt vertretbar, dabei auf eine Art innere Natürlichkeit oder ‚Kompass‘ zu setzen?
Wir folgen in diesem Ausstellungszyklus unterschiedlichen künstlerischen, kulturellen und sozialpolitischen Facetten von SEHNSUCHT:
Wie kann der imaginäre Raum dargestellt werden? Welche Künstlermythen kursieren mit entsprechenden gesellschaftlichen Erwartungen, Selbstbildern und Lebensrealitäten? Sehnsucht als die pure, abenteuerliche Lust, die Weite der Welt für sich zu entdecken? Radikale künstlerische und gesellschaftliche Positionen, die ohne allzu große Kompromisse auskommen? Wie können wir es im Alltag schaffen, im allgegenwärtigen Kapitalismus echte Gemeinschaften zu praktizieren, solidarisch zu bleiben?

English version:

OPEN CALL – Longing

The exhibition „Sehnsucht“ shows selected works from this year’s Open Call on our annual theme „Sehnsucht“. The theme seems to have hit a nerve, we had 237 applications.
There were some great and interesting works, and it was not easy for us to limit ourselves to 32 positions.
The theme of „longing“ is reflected in various media such as painting, installation and photography. The personal starting point of the theme and thus of the respective works of the artists opens up an imaginary space for the viewers. Longing, as a very subjective feeling that can nevertheless be felt universally, appears here in various interesting perspectives and interpretations.

About the year’s theme:
Longing is flourishing once again and is expressed today in a wide variety of forms: in love of nature, the escape from everyday life, the longing for social contacts, for normality, for remote places or for a home. It even finds expression in conspiracy theories or in the idea of salvation via right-wing extremism.
The concept of longing as an image morphs the illusive into an individual, and at times, a collective projection.
Motifs such as the romantic landscapes of Caspar David Friedrich, a sandy beach with palm trees in the sunset, the idyllic scenery of the Alps or the bourgeois paradise of one’s own garden have become codes for feelings and places of longing for the neo-romantic observer over the centuries. Do these images still resonate today?
Longings as subjective, elusive and yet powerful inner forces seem to emerge outside of the realm of rationality, pragmatic compromise and reason. And yet longings raise essential questions about meaning and substance, long-term self-fulfilling life choices and mindful moral action. Can longing be seen as an intuitive impulse for integrity and self-empowerment? As something worth listening to, because it contains relevant information about the direction to be followed? How can we distil and implement the utopian potential from our primal desires? And how can we place trust in longings as we would in a seismograph, and to what extent can we justify a reliance on a kind of inner nature or compass while doing so?

In this exhibition cycle, we follow various artistic, cultural and social-political aspects of Longing – SEHNSUCHT: How can the imaginary be made visible? Which artist mythologies are accompanied by corresponding social expectations, self-images and realities of life? Longing as the pure, adventurous desire to discover the vastness of the world for yourself? Radical artistic and social positions that are not overburdened by compromise? How can we live in omnipresent capitalism and practice solidarity and real community?